Die Orgel

Zur Begleitung des Gemeindegesangs wurde im Jahr 1894 ein gebrauchtes Harmonium von der Kirchengemeinde Wasserhorst bei Bremen gekauft.

Die erste Orgel wurde 1906 angeschafft. Sie war gebaut von der Fa. Faber & Greve in Salzhemmendorf und stand auf der Empore an der Westwand. Diese Orgel wurde bei den Umbauarbeiten in der Kirche 1970/72 ausgebaut. Nach Meinung der Orgelsachverständigen war die Orgel nicht mehr zu reparieren.

Von 1972 bis 1990 stand in der Kirche ein Orgelpositiv, eine Leihgabe der Landeskirche.

Im Jahr 1990 wurde die jetzige Orgel gebaut. Ein Neubau von der Fa. Hillebrand in Altwarmbüchen bei Hannover. Die Finanzierung wurde durch den Orgelbauverein kräftig unterstützt. Der Entwurf für den Prospekt hat auch die Orgelbaufirma gemacht. Die Blasebälge liegen unter dem Podest. Für die Brüstung am Podest wurden Teile der alten Emporenbrüstung verwendet.

Die neue Orgel der St. Lucia-Kirche zu Wulsbüttel
Von Albrecht Ubbelohde, Orgelrevisor

In der aus dem 13.Jahrhundert stammenden Feldsteinkirche zu Wulsbüttel befindet sich seit dem Spätsommer 1990 eine kleine neue Pfeifenorgel. Sie wurde nach eineinhalb-jähriger Bauzeit auf einem kniehohen Podest aufgestellt und eingestimmt.
Mit dem Plan der Anschaffung einer eigenen neuen Orgel beschäftigten sich Kirchenvorstand und Gemeindeglieder schon 1980. Das 1972 von der Landeskirche ausgeliehene Positiv (I/5) hatte sich nicht als vollwertiger Ersatz für die 1971 aufgegebene Faber & Greve-Orgel erwiesen, es musste renoviert werden.
Mit dem Wunsch nach einer eigenen Orgel wuchs unter den Gemeindegliedern die Bereitschaft, auch Opfer dafür zu bringen. Als der Kirchenvorstand am 28. Mai 1986 den Beschluss fasste, auf einen Neubau zuzugehen, war ein großer Schritt getan. Die Planungen konnten eingeleitet, die Finanzierung sichergestellt werden. In Zusammenarbeit mit den Orgel- und Bausachverständigen des Landeskirchenamtes entschloss sich der Kirchenvorstand für den Bau einer kleinen einmanualigen Schleifladenorgel auf 8-Fuß-Basis mit 7 Stimmen und einem Subbaß. Der Auftrag wurde dann noch im Dezember 1988 an die Orgelbaufirma Hillebrand, Altwarmbüchen, vergeben, weil die Fa. für das Konzept günstige Voraussetzungen bot.
Die äußere Gestalt der Orgel, der Prospekt, wurde in Anlehnung an das ganz im Renaissance-Stil erbaute Orgelgehäuse in der Silbernen-Kapelle der Hofkirche zu Insbruck entwickelt und gebaut. Die schlichten Formen des Prospektes und ihre Gliederung erinnern an typische Merkmale der Weserrenaissance und ihrer kulturgeschichtlich interessanten Bindungen zu italienischen Vorbildern. Das 3,76 m hohe und 2,15 m breite Schrankgehäuse unter der flachen Kirchendecke wurde ganz aus Eichenholz angefertigt und aus optischen und praktischen Gründen geräuchert. Die Prospektpfeifen der Schauseite wurden in 80%iger Zinnlegierung erstellt und poliert. Sie stehen auf Prospektstöcken im Rahmenwerk des Prospektes und sind mit der Windlade im Innern des Gehäuses durch Bleirohre verbunden. Die anderen Holz- und Metallpfeifen der Orgel stehen in Rastern auf den Windladen. Es sind insgesamt 486 Pfeifen. Davon stehen 47 im Prospekt, 409 auf der Manuallade und 30 auf der Pedallade. 90 Pfeifen sind Holzpfeifen. Die größte, groß C im Subbaß, hat eine Körperlänge von 2,42 m über dem Kern; die kleinste in der Mixtur hat ohne Fuß eine Länge von nur 1 cm; mit Fuß ist sie etwa 16 cm lang. Der Subbaß 16‘, ganz aus Eichenholz gefertigt, steht hinter dem Laufboden vor der Westwand der Kirche. Die Traktur der Orgel ist voll mechanisch angelegt; d.h., alle Impulse und Schaltvorgänge werden vom Spieltisch aus auf mechanischem Wege zur Schleiflade und zum Pfeifenwerk übertragen. Die Tastatur hat im Manual einen Umfang von C bis f ‘‘‘ (54 Tasten), im Pedal von C bis f‘ (30 Tasten).
Die hellen Untertasten haben einen Belag aus gebleichten Knochen, die dunklen Obertasten sind aus Grenadillholz, einem afrikanischen Edelholz.
Die Pedalklaviatur ist aus Eichenholz. Die Beschriftung der Registerschilder neben den Manubrien erfolgte auf weißen Pergamentstreifen. Die Windversorgung wird durch zwei Keilbälge geregelt, die im Podest unter der Orgel untergebracht sind und mit dem Gebläse verbunden sind. Sie versorgen bei einem Druck von 58 mm Wassersäule (WS) das Pfeifenwerk mit gleichmäßigem Wind.
Unter den 8 Stimmen der Orgel befindet sich als kleine Besonderheit eine Soloflöte von 4-Fuß-Länge, die Flauto in Ottava 4’. Sie ist nach einem italienischen Vorbild neu aus einer besonders feinporigen Nadelholzart, auch „Hasenfichte“ genannt, angefertigt. Sie hat einen quadratischen Querschnitt, ein enges Labium und benötigt wenig Wind. Ihrer Herkunft nach stammt sie aus der Zeit der Spieluhrenmusik. Sie klingt recht mild und farbig. Im Zusammenspiel mit anderen Stimmen lassen sich mit ihr homogene sanfte wie liebliche Klänge erzielen. Ein mechanischer Bocktremulant kann dazu für ein gleichmäßiges und einschmiegsames Tremolo sorgen.
Das Pfeifenwerk erhielt eine modifizierte Stimmung nach Neidhardt III. Die Tonhöhe entspricht der normalen Tonhöhe (a’ = 880 Hz.). Mögen die Gemeindeglieder durch die Klänge der neuen Orgel für ihre Opferbereitschaft reichlich belohnt werden.

Disposition der Orgel

Manualwerk C-f’’’   Pedalwerk C – f
Prinzipal 8’ (ab Fs.Prosp.) Subbaß 16
Gedackt 8’  
Octave 4’ Pedalkoppel
Flauto in Ottava 4’  
Nasat 2 2/3 Tremulant
Octava 2’ Mixtur 2 fch.
     
Normale Tonhöhe: Stimmung nach Neidhardt III

Bülkau, den 12 Oktober 1990